Der Bremerhavener Fischereihafen hat sich im Laufe einer mehr als
hundertjährigen Geschichte zu einem der größten Seefischmärkte des
Kontinents entwickelt und ist damit ein zentraler Aspekt der Stadtgeschichte.
Die besegelte Seefischerei und die ersten Fischdampfer landeten
ihre Fänge ab ca. 1860 am südlichen Geesteufer an. Hier wurde der
Fisch entweder unmittelbar an den Endverbraucher oder an den Fischhandel
verkauft. Die Händler, die häufig zugleich Reeder waren oder feste
Abnahmevereinbarungen mit den Fischereifahrzeugen hatten, übernahmen
den Fisch im Hafen direkt von Bord.
[Südliche
Geestekaje; um 1890]
Fischauktionen
als Mittel gegen Preisabsprachen
Am 13. Juni 1888 fand in Geestemünde eine erste Fischauktion statt.
Durch die öffentliche Versteigerung der Fänge sollte erreicht werden,
dass sich die Preise nach dem tatsächlichen Angebot am Markt richteten
und nicht durch Abmachungen zwischen den Händlern bestimmt wurden.
Gerade aufgrund von Preisabsprachen hatte es zuvor Differenzen zwischen
Händlern und Fischern gegeben.
[Versteigerung
in der Halle III; um 1913]
Konkurrenz
zwischen Nachbarn
Im Zeitraum von 1891 bis 1896 erbaute Preußen in Geestemünde einen
neuen Spezialhafen für die Hochseefischerei - in unmittelbarer Nachbarschaft
des damaligen Fischereihafens von Bremerhaven. Von den beiden konkurrierenden
Häfen gewann der Fischereihafen Geestemünde bis zum II. Weltkrieg
ein immer deutlicheres Übergewicht. Durch die Neustrukturierungen
und Reformen nach dem Krieg zählen heute beide Häfen zum Stadtgebiet
von Bremerhaven: der alte Fischereihafen Geestemünde ist der jetzige
Fischereihafen I und der frühere Fischereihafen Bremerhaven entspricht
dem heutigen Alten Hafen, dem Sitz des Deutschen
Schifffahrtsmuseums.
[Westseite
des Alten Hafens; um 1928]
[Fischereihafen
Geestemünde]
Unabhängigkeit
von den Gezeiten durch die Doppelschleuse
In den Jahren 1921 bis 1925 wurde die Fischereihafen-Doppelschleuse
erbaut. Durch die Doppelschleuse wurde der Hafenbetrieb erheblich
erleichtert: Das Löschen und Ausrüsten der Fischdampfer war jetzt
nicht mehr tidebedingt von unterschiedlichen Wasserständen abhängig.
Mit der Größenentwicklung der [Link: Fischfang - Fischereifahrzeuge]
Fischereifahrzeuge
seit den 50er Jahren wurde die Schleuse jedoch mehr und mehr zum Engpass.
Die Zahl der problematischen Dockschleusungen mit beidseitig geöffneten
Schleusentoren stieg Ende der 80er Jahre auf etwa 200 pro Jahr an.
Aus diesem Grund wurde in den 90er Jahren mit einem umfangreichen
Umbau der Fischereihafenschleuse begonnen.
[Doppelschleuse]
[Umbau
Doppelschleuse 1998-2000]
Ausbau
und Wachstum: Fischereihafen II und Halle X
Nachdem die Anlagen des Fischereihafens I für den Umschlag allmählich
nicht mehr ausreichten, wurde in den Jahren 1926 bis 1928 der heutige
Fischereihafen II fertiggestellt. Die Halle X als eine der weltweit
größten Fischauktionshallen wurde 1928/29 erbaut und bildete bis weit
nach dem II. Weltkrieg das Herzstück des Fischereihafens.