| ABENTEURER |
|
| Sir
Henry Morgan (1635 - 1688) |
Über die Anfänge der Karriere des Sir Henry Morgan ist wenig bekannt,
über die Zeit davor noch viel weniger, außer dass er aus Wales stammt.
Mitte des 17. Jahrhunderts bekämpfte er inoffiziell im Namen der englischen
Krone die Spanier, blieb aber weitgehend unbekannt. Erst 1665 konnte
er sich als Vizekommandant einer Truppe Bukaniere einen Namen machen.
Er fing an Städte zu plündern, sein erstes Opfer war Puerto Principe
auf Kuba, kurz darauf plünderte er Portobello in Panama. Vor allem
seine Gier trieben ihn an, zahlreiche spanische Kolonien anzugreifen
und zu plündern oder einzunehmen. Zu unsterblichem Ruhm kam er schließlich
durch seinen tollkühnen Angriff auf Panama-Stadt: Am 10. Januar 1670
segelte er mit einer Flotte von 36 Piratenschiffen und Hundertschaften
von Freibeutern der damals vielleicht reichsten Stadt der Welt entgegen.
Der spanische Gouverneur, der alles daransetzte diesen wichtigsten
Hafen für die spanischen Goldschiffe zu halten, stellte Morgan eine
bedeutend größere Flotte in den Weg - aber vergeblich. Die Piraten
besiegten die spanischen Truppen und fielen in Panama-Stadt ein. Sie
brannten diese Perle des Westens nieder und entkamen mit einem fast
unvorstellbarem Vermögen als Beute. Sir Henry Morgan muss ein ausgezeichneter
Kapitän und brillanter Taktiker gewesen sein, ein Edelmann war er
aber anscheinend nicht: Nicht zu lange nach dem Gefecht, schnappte
er sich die Beute, ließ seine Mannschaft in Stich und machte sich
auf und davon. Vielleicht wäre er mit dieser Tat sogar davon gekommen,
wenn nicht die Großmächte Spanien und England einen Vertrag miteinander
geschlossen hätten. Morgan wurde festgenommen, nach England gebracht
und vegetierte zwei Jahre lang in einem Gefängnis. Wahrscheinlich
hätte er dort noch bis zu seinem Lebensende schmoren müssen, hätten
sich die Beziehungen zwischen England und Spanien nicht wieder verschlechtert.
Und als dann noch der englisch-holländische Krieg ausbrach, sah sich
König Charles II. nicht anders zu helfen, als den Piraten wieder freizulassen
und für seine Zwecke zu benutzen. Letztendlich wurde Morgan für seine
Kaperzüge noch belohnt: Charles II. schlug ihn zum Ritter und machte
ihn obendrein noch zum Vizegouverneur von Jamaika. Dort verbrachte
Sir Henry Morgan den Rest seines Lebens als angesehener und steinreicher
Plantagenbesitzer - bis ihn 1688 eine Krankheit dahinraffte. Eigentlich
ein wenig ruhmvolles Ende für einen solchen Freibeuter und Abenteurer...
|
| Klaus
Störtebecker (ungefähr 1360-1410) |
Wo dieser vielleicht berühmteste deutsche Pirat seine Ursprünge hat
ist alles andere als klar - und die Antworten sind je nach Legende
verschieden. Mal heißt es, er war ein einfacher Knecht, der seinem
ungerechten Herren entfliehen musste, ein anderes mal heißt es, er
war ein abtrünniger Adeliger oder der besitzlose Bastard eines Grafen.
Mit ziemlicher Sicherheit fest steht aber die Tatsache, dass Störtebecker
ein Mitglied der Vitalienbrüder war. Dieser Zusammenschluss von Piraten,
Seefahrern und Abenteurern kämpfte etwa um 1390 auf Seiten Mecklenburgs
gegen die dänischen Schiffe und Städte. Mit Ruhm bedeckten sie sich,
als sie das von den Mecklenburgern gehaltene Stockholm von den belagernden
Dänen befreien konnten, die Stadt mit Nahrungsmitteln versorgten und
die Bürger so retten konnten. Mit Bauernschläue gelang es den Vitalienbrüdern
damals, die dänischen Truppen zu überlisten und den Belagerungsring
zu brechen. Störtebecker kämpfte wohl zu diesen Tagen gegen die Dänen,
allerdings nur als gewöhnlicher Matrose oder Pirat. Ein eigenes Kommando
hatte er noch nicht. Die Gelegenheit sich als Kapitän zu bewähren
erhielt er erst, als der Krieg zwischen Mecklenburg und Dänemark zu
Ende ging. Die Vitalienbrüder wurde nicht nur nicht mehr gebraucht,
sondern sie wurden nun auch noch von beiden ehemaligen Kriegsparteien
verfolgt. Waren die Piraten zu Kriegszeiten noch nützliche Werkzeuge,
waren sie nun nicht mehr als ein lästiges Übel, dass die Meere unsicher
machte. Auch die Vereinigung der Hanse verstärkte ihre Anstrengungen,
die Piratengefahr ein für alle mal zu beseitigen. Es wurden mächtige
Schlachtschiffe ausgerüstet, die sogenannten Orlogschiffe. Die Piratenschiffe,
Schrecken eines jeden Seehändlers, konnte gegen diese schwerbewaffneten
Herren der Meere nichts mehr ausrichten. Störtebecker floh mit seinem
Schiff "Seetiger" aus der Ostsee in die noch relativ sicherere Nordsee.
Hier waren die Piraten auf der "Seetiger" erst eine Weile als Söldner
für kleinere Machthaber tätig, kehrten dann aber wieder zu ihrem üblichen
Tagewerk zurück: Der Piraterie. Das konnte sich die Hansestadt Hamburg,
für die eine sichere Nordsee für ihren Reichtum außerordentlich wichtig
war, nicht bieten lassen. Schiffe wurden bereitgestellt und unter
dem Kommando von erfahrenen Piratenjägern ausgesandt. Durch eine List
gelang es Kapitän Nyenkerken das Schiff Störtebeckers praktisch manövrierunfähig
zu machen. Sein Schiff "Bunte Kuh" stellte sich dem Kampf. So dachte
zumindest Störtebecker. Als er merkte, dass er mit seinem Schiff keine
Seeschlacht mehr gewinnen würde, enterte er die "Bunte Kuh". Er und
seine Männer sprangen an Deck, um dem Feind den Garaus zu machen.
Kein Mensch an Bord. Ehe sich die Piraten orientieren konnten, ehe
sie bemerkten, dass sie in eine Falle geraten waren, schnappte diese
auch schon zu. Ohne einen Kampf bekommen zu haben, wurden sie alle
in einem großen Stahlnetz gefangen, das auf sie hinab geworfen wurde.
Der triumphierende Kapitän Nyenkerken brachte seine Gefangenen nach
Hamburg, wo es nicht lange dauerte, bis sie zum Tode durch Köpfen
verurteilt wurden. Als der Tag der Hinrichtung gekommen war und ganz
Hamburg bereit stand, dieses Schauspiel zu verfolgen, da bat Störtebecker
um eine letzte Gnade: Man solle ihn als ersten Köpfen und diejenigen,
an denen er ohne Kopf vorbeimarschieren würde, sollten verschont werden.
Unter spöttischem Lachen zeigten sich die Ratsherren einverstanden
- und Störtebecker wurde zur Legende. Nachdem der Henker sein blutiges
Werk vollendet hatte, stand der kopflose Körper Störtebeckers auf
und fing an, an seinen Gefährten vorbeizuschreiten, um ihnen so das
Leben zu retten. Erst der Henker, der dem wandelnden Leichnam ein
Bein stellte und ihn so zu Fall brachte, konnte ihn aufhalten.
|
|