Jörg
Schulz
Fischereihafen 2000:
Mit maritimen Attraktionen und kulinarischen Genüssen auf Kurs Zukunft |
Es müssen nicht immer Fischstäbchen sein. Auch die Hausfrau, die im Tiefkühlregal des Supermarkts
zu einer saftigen Paella, zu schockgefrorenen Erdbeeren oder einem leckeren Gemüseauflauf greift, kauft
mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Produkt aus dem Bremerhavener Fischereihafen. Erst recht dann,
wenn auf der Packung "Kapt'n Iglo" oder "Peter von Frosta" abgebildet sind. Denn bei diesen beiden populären
Werbefiguren der Lebensmittelbranche handelt es sich um waschechte Bremerhavener.
Die bundesweit bekannten Marken Iglo und Frosta stehen ebenso als Symbole für den Wandel des
traditionsreichen Seefischmarkts wie das "Schaufenster Fischereihafen", das seit einigen Jahren
unzähliche Besucher anlockt: Der 1896 gegründete Fischereihafen hat sich sowohl zum Industrie- und
Gewerbezentrum als auch zur Touristenattraktion gemausert.
Heute kann man sich kaum vorstellen, dass einst die Fischdampfer in Bremerhaven dicht an dicht an
den Kajen lagen. Jahrzehntelang prägten sie das Bild des Fischereihafens, bis es mit dem Boom in den
siebziger Jahren vorbei war. Damals erweiterte Island seine Fischereizone und schnitt die deutsche
Hochseefischerei von ihren Fanggründen ab. Über Nacht schrumpfte die Trawler-Flotte zusammen, gingen
Tausende von Arbeitsplätzen auf See und an Land verloren.
Die tiefgreifenden Veränderungen führten im Fischereihafen zu einem beispiellosen Strukturwandel.
Der Seefischmarkt, in dem im Laufe von 103 Jahren mehr als neun Millionen Tonnen Fisch angelandet wurden,
entwickelte sich zu einem der weltweit größten Zentren der Nahrungsmittelindustrie mit dem Schwerpunkt
Tiefkühlproduktion. Etwa 9000 Menschen finden inzwischen im Fischereihafen wieder Arbeit. Und es wird weiter
für die Zukunft investiert: Im Sommer 2000 ist die moderne, 250 Millionen Mark teure Doppelschleuse fertig,
die den Fischereihafen für größere Schiffe öffnet. Vor wenigen Wochen legte die Firma Frosta den Grundstein für
den Ausbau ihrer Produktionsstätte, ein 40-Millionen-Projekt.
Doch der Fischereihafen ist nicht nur Industrie- und Gewerbestandort, sondern auch ein Besuchermagnet
weit über die Region hinaus: In einer alten Packhalle und rund um den einstigen Fischbahnhof entstand
eine Erlebnis- und Gastronomiemeile, um die andere Städte Bremerhaven beneiden.
In dieser Szenemeile laden gemütliche Restaurants zu kulinarischen Genüssen rund um den Fisch ein.
In kleinen Geschäften werden maritime Souvenirs angeboten. Und bei schönem Wetter - davon hatten Bremerhaven
im Super-Sommer 1999 bekanntlich mehr als genug - spielt sich das bunte Leben auf dem Marktplatz vor
dem Schaufenster ab. Ohne diesen Besuchermagneten kann man sich den Fischereihafen und ganz Bremerhaven
schon längst nicht mehr vorstellen.
Der Erfolg beweist: Der Fischereihafen hat seine Zukunftschancen genutzt. Und er wird diesen Weg
entschlossen weitergehen, so wie er es auch bereits mit der Nutzung des Internets auf der neuen Website
fischmarkt-bremerhaven.de getan hat. Den Fisch allerdings - den gibt es natürlich nach wie vor im
Fischereihafen . Und nirgendwo ist er so frisch wie hier.
 |
Jörg Schulz ist Oberbürgermeister der Seestadt Bremerhaven und Aufsichtsratsvorsitzender der
Fischereihafen-Betriebsgesellschaft Bremerhaven mbH |
|
|