| NATIONALES |
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| ENGLAND:
Fish & Chips - DIE kulinarische Köstlichkeit der Insel? |
gal was auch passieren mag, Vorurteile halten sich.
Vorurteile über die französische Küche, die angeblich
zum Besten gehört, was die Menschheit jemals in der Kochkunst
hervorgebracht hat. Oder der krasse Gegensatz zur feinen, französischen
Esskultur: Die Qualität der englischen Küche, die weltweit
gerne belächelt wird. Zu Recht oder Unrecht mag einmal dahingestellt
sein, aber wem fallen auf die Schnelle schon berühmte englische
Gerichte ein? Die Süßigkeit Plum-Pudding vielleicht - und
natürlich das englische Nationalgericht: Fish & Chips.
Ob dieses traditionsreiche Fastfood eine Köstlichkeit oder doch
eher eine Geschmacksverirrung ist, daran scheiden sich oft die Geister.
Die einen halten den Fisch im Teig für das köstlichste Produkt
aus britischen Landen und für DEN Beweis für die dortige
Esskultur, andere halten es doch eher für eine eklige, fettige
Angelegenheit. Alles eine Frage des Geschmacks. Unbestritten ist jedoch,
dass es sich bei Fish & Chips um das erste Fastfood der Welt handelt.
Nicht die Burger-Tempel der USA können diese Ehre in Anspruch
nehmen, sondern es waren die Menschen in den Londoner Armenvierteln,
die auf die Idee kamen Fischabfälle zu braten und so haltbarer
zu machen, und an kleinen Ständen, später umgangssprachlich
Chippies genannt, an den Mann zu bringen.
Bereits Oliver Twist, Vollwaise und Held aus dem gleichnamigen 1837
erschienenen Roman von Charles Dickens, hatte Gelegenheit dieses Arme-Leute-Essen
zu probieren. Noch bis zu 100 Jahren später galt es in der Oberklasse
nicht als fein, in einem Chippie zu verkehren. Das mag zu großen
Teilen auch an dem üblen Gestank liegen, den das Bratöl
verursachte. Erst um 1900 konnte dem Öl der strenge Geruch etwas
genommen werden, aber bis dahin hatten die Armenviertel mit einem
Chippie in der Nachbarschaft, einiges zu ertragen
Heute gilt Fish & Chips zwar immer noch als billig, günstiger
zumindest als ausländisches Fastfood, aber auch als nahrhaft
und sättigend und vor allem als eine echte Alternative zu anderem
Fast Food. Gehört hierzulande eine knackige Bratwurst mit Senf
oder eine Portion Pommes Rot-Weiss zu jedem guten Fußballspiel,
sind es in England die Fish & Chips-Buden, an denen sich die Fans
treffen, um zu fachsimpeln und sich um ihr leibliches Wohl kümmern.
Ein echtes Nationalgericht eben.
Wer Fish & Chips mit "Bratfisch mit Pommes" übersetzt,
macht es sich ein wenig zu einfach. Oberflächlich gesehen wäre
das zwar richtig, aber hinter den traditionellen Fish & Chips
steckt schon ein wenig mehr.
Erst wird der Fisch in einer einfachen Panade vor- und dann in der
Friteuse zubereitet. Dann kommt die Besonderheit: Wird der fettige
Fish zu seinen Chips gebettet, wird er mit einer ordentlichen Portion
Malz-Essig, dem Malt Vinegar, gewürzt. Mit so viel Essig, dass
der Fisch dadurch ein klein wenig matschig aussehen könnte.
Das Auge isst ja bekanntlich mit. Das ist leider nicht immer von Vorteil.
Und die Pommes Frites, im englischen "French Fries", haben
eher wenig gemein mit unseren altbekannten langen, dünnen Kartoffelstäbchen,
wie wir sie von der Imbissbude her kennen. Echte Chips sind grob geschnittene
und schön saftige Kartoffelstücke, je nach Geschmack mit
Salz oder Essig verfeinert und groß genug, um nur schwerlich
mit einem Bissen verzehrt werden zu können. Alternativ können
auch "Mushy Peas", also Erbsenpüree, oder Bohnen als
Beilage serviert werden.
Ganz klassisch wird das Gericht in eine Zeitung eingewickelt und gleich
am Stand, unterwegs oder daheim verspeist. So wie man eine Bratwurst
"aus der Faust" essen kann, ist es auch durchaus bei Fish
& Chips üblich, seine Portion mit den Fingern zu genießen.
Aus der Hand schmeckt es nun mal meist am besten.
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| FRANKREICH:
Bouillabaisse - Die Königin unter den Fischsuppen |
Fisch war früher ja ein typisches Essen für die Armen. Während
sich Kaiser und Könige den Bauch mit selbst erlegtem Wild vollschlugen,
konnte sich der einfache Mann von der Küste glücklich schätzen,
wenn er etwas Fisch zu essen hatte. Besser als schon wieder Grütze
war das allemal. Den Ruf des Arme-Leute-Essens ist Fisch aber schon
lange los und oft gehört er sogar zu den exquisiten Delikatessen
für Feinschmecker. Auch die Bouillabaisse gehört heute zu
den bekanntesten Gerichten aus Frankreich überhaupt und gilt
als edle und luxuriöse Delikatesse in Fischrestaurants auf der
ganzen Welt. Nicht schlecht für ein ehemaliges Reste-Essen.
Die Bouillabaisse hat ganz klein angefangen, irgendwann im 18. Jahrhundert
im Hafenviertel von Marseille. Da nutzten die unteren Schichten jede
Möglichkeit, um irgendwie satt zu werden und die Bouillabaisse
war Fischern, Seeleuten und Tagelöhnern lange Zeit die tägliche
Mahlzeit, bevor sie sich langsam zu der Feinschmecker-Spezialität
entwickelte, die wir heute kennen. Also sammelten, erbettelten oder
stibitzten sie die Fischreste, die kleinen, hässlichen Stücke,
alles was nicht mehr verkauft werden konnte und wohl als Abfall bezeichnet
werden muss. Diese bunte Mischung der verschiedensten Fischsorten
wurden in einen Topf geworfen, vielleicht noch mit ein paar vorhandenen
Kräutern und Zutaten, Zwiebeln, Tomaten oder Knoblauch, verfeinert,
kurz gekocht und fertig war die Mahlzeit. Ganz rustikal konnte der
wohlschmeckende und sättigende Eintopf mit Brot und Fingern gegessen
werden. Nur selten gab es das selbe wie am Vortag, schließlich
konnten immer unterschiedliche Fischreste vom Hafen oder Markt aufgelesen
werden. Und wurde mal ein etwas größeres Stück Fisch
gesammelt, wurde aus der Fischsuppe schon fast ein Fischgericht. Da
war man halt flexibel.
Flexibel kann man heute auch noch sein, zumindest was die Auswahl
der Fische betrifft. Wenigstens drei verschiedene Arten Fisch sollte
man schon zur Verfügung haben, mehr wären schön; die
Vielfalt der Zutaten machen den besonderen Reiz einer Bouillabaisse
aus. Drachenkopf, Petersfisch und Knurrhahn sind die drei idealsten
und typischsten Fische, die in den Topf gehören. Wichtig ist
vor allem, dass es sich um schön bissfesten Fisch handelt. Er
darf nicht anfangen, sich im Topf aufzulösen oder zu zerfließen.
Darum darf er auch nicht zu lange gekocht werden. Ein Umstand, dem
die Bouillabaisse ihren Namen verdankt: Er setzt sich aus den französischen
Wörtern bouiller (kochen) und baisser (senken) zusammen. Fängt
die Suppe an zu kochen, muss die Temperatur gesenkt werden, also der
Topf vom Feuer Herd genommen werden.
Wie die Bouillabaisse letztendlich zubereitet und serviert wird, ob
mit oder ohne Muscheln, welche Fische zugegeben werden, welche Kräuter
und Zutaten, ist von Rezept zu Rezept verschieden. Wichtig ist aber
auf alle Fälle, dass möglichst frischer Fisch vom Markt
verwendet wird. Gute Köche haben exakt nur so viel Fisch vorrätig,
wie auch benötigt wird. Wer tiefgefrorenes verwendet oder irgendeinen
Fisch aus der Büchse, der kann eigentlich, um diese Forderung
nach Frische augenzwinkernd auf die Spitze zu treiben, gleich bei
Fischstäbchen mit Kartoffelsalat bleiben.
Die Bouillabaisse wird in Fischrestaurants in der ganzen Welt angeboten.
Natürlich auch in der französischen Provence und der Côte
d'Azur, dem Ursprung dieser Fischsuppe. Wer aber wissen möchte,
wie die ECHTE Bouillabaisse schmeckt, der muss sie sich ein wenig
mehr kosten lassen und sie in Marseille in einem guten Restaurant
probieren.
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